5 Konten in deiner Vermögensbilanz, die deine Bank nicht kennt
- vor 2 Tagen
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Deine Bank weiß ziemlich genau, was du besitzt. Und sie kennt trotzdem nur ein einziges deiner Konten.
Ich hab mir diese Woche eine Vermögensbilanz gemacht. Nicht die übliche – sondern eine mit fünf zusätzlichen Konten, von denen keine Bank der Welt etwas weiß.
Die meisten von uns denken beim Wort Vermögen sofort ans Geld. Was liegt am Konto. Was ist abbezahlt, was angespart, was investiert. Und ja, das gehört dazu. Das muss passen, sonst hast du Gedanken im Kopf, die dich von allem anderen abhalten.
Nur: Das ist ein Konto. Nicht die Bilanz.
Was jetzt kommt, ist kein vollständiger Jahresrückblick. Ich hab zu jedem Konto ein paar Beispiele aus meinem Jahr herausgegriffen – als Impuls, damit du beim Lesen an deine eigenen denkst.
1. Dein Können
Was kannst du heute, was du vor einem Jahr nicht konntest?
Eines davon war bei mir die Renovierung der Schmiede. Zu sehen, wie so ein Ort entsteht. Selbst mitzuarbeiten. Und dabei Zusammenhänge zu verstehen, die man von außen nie sieht.
Dazu kommt etwas, das erst später zum Tragen kommt: Ich weiß jetzt auch, was ich beim nächsten Projekt anders machen würde. Diese Art von Wissen bekommst du nirgends erklärt.
Gelernt hab ich heuer aber auch an Stellen, die ich vorher nicht auf dem Zettel hatte. Bei Podcasts – bei den eigenen, wo ich eingeladen war, oder beim Zuhören. Beim C-Führerschein. Und, weniger freiwillig, im Krankenhaus.
Und – das unterschätz ich selbst immer wieder – aus Gesprächen zwischendurch. Manchmal sitzt du zwanzig Minuten mit jemandem zusammen und gehst mit etwas raus, wofür andere ein Wochenendseminar brauchen.
Am Ende ist der Werkzeugkoffer voller als vorher. Und das Beste daran: Ich kann es weitergeben.
Können ist das einzige Vermögen, das schwerer wird, wenn du es hergibst.
2. Deine Beziehungen
Wen kennst du heute, den du vor einem Jahr nicht gekannt hast? Und wen kennst du heute besser?
Ich schreib hier bewusst nicht „Kontakte". Und „Netzwerken" ist für mich sowieso eines der grauslichsten Wörter überhaupt.
Schon der Name sagt alles: Wo eine Veranstaltung „Netzwerktreffen" heißt, wollen die meisten etwas verkaufen oder etwas rausholen. Da spreizt sich was in mir - ist wie Zimt, mag ich auch nicht ;-) . Und trotzdem sind mir heuer viele Menschen begegnet, von denen ich mir nicht zu träumen gewagt hätte, dass ich sie kennenlerne.
Ich hab versucht, das nüchtern zu analysieren, warum das so ist. Ich glaub, es liegt daran, dass ich bei einer Begegnung schlicht nicht daran denk, was ich davon hab. Mich interessiert die Person. Und während ich zuhöre, lern ich meistens schon wieder etwas.
Wenn ich dann noch einen Gedanken hinterlassen oder irgendwo helfen kann – das geht bei mir fast von selbst. Und umgekehrt passiert es genauso. Nicht weil ich es forciere. Sondern weil es die Konsequenz davon ist.
Dazu kommt: Es sind nicht nur die Neuen, die zählen. Beziehungen, die es schon gab und die heuer tiefer geworden sind, gehören genauso auf dieses Konto. Eine Woche mit 25 Unternehmer:innen in Ostafrika macht aus Bekanntschaften etwas anderes. Wer miteinander im Zelt übernachtet hat, redet danach anders miteinander.
Und beim Aufbau der Schmiede hab ich gelernt, mit anderen Augen zu schauen. Was das goldene Handwerk wirklich ist, habe ich erlebt und viel gelernt – aber vorher noch nicht wirklich verstanden. Jetzt schon.
Dann gibt es noch etwas, über das ich immer noch staune: Es kommen Menschen auf mich zu und fragen um Rat. Manche davon sind so weit gekommen, dass ich mir denk – warum ausgerechnet ich?
"Der Unterschied zwischen einem Kontakt und einer Beziehung: Bei einer Beziehung fällt dir sofort ein, was du für den anderen tun könntest."
3. Deine Erlebnisse
Woran erinnerst du dich in zehn Jahren noch?
Heuer war das bei uns eine Reise durch Skandinavien im Wohnmobil. Oder eine Nacht im Zelt am heiligen Berg in Ostafrika, auf 3.300 Metern – deutlich zu kalt für unseren Geschmack, und trotzdem eine, die ich nicht hergeben würde.
Und dann gibt es noch etwas, das mir jeden Monat auf dieses Konto einzahlt: unseren Aktivclub. Sieben Freunde, jeden Monat etwas Neues, und eine einzige Regel – nichts darf sich wiederholen. Ich lieb diese Burschen und ich lieb diese Erlebnisse. Weil wir dabei zusammenwachsen. Und zusammen wachsen.
Auf dieses Konto gehört aber auch das, was nicht schön ist. Ich hab heuer Vertraute und Freunde gehen sehen. Das war kein Erlebnis, das man sich aussucht. Es hat trotzdem etwas verändert – und ehrlich gesagt hat es mich mehr über den Wert von Zeit gelehrt als jedes Buch.
Außerdem mag ich das Wort Work-Life-Balance nicht. Balance klingt nach Waage, nach ausgleichen, nach zwei Dingen, die gegeneinander arbeiten. Ich nenne es lieber Work-L!FE-Romance.
Und das ist keine Wortspielerei. Wenn dir dein Leben gefällt, funktioniert auch die Arbeit besser. Erlebnisse sind nicht das Gegenteil von Arbeit – sie sind das, woraus die Arbeit besser wird.
"Am Ende unseres Lebens gehen wir durch unser eigenes Museum. Die Frage ist nur, was da an den Wänden hängt."
4. Deine Ergebnisse
Was hast du bewegt? Bei dir und bei anderen?
Vom Erlebnis zum Ergebnis. Und dieses Konto ist genau das.
Es ist auch das schwierigste. Was du bei anderen auslöst, weißt du meistens nicht. Manchmal muss man nachfragen. Manchmal wird es einem zugetragen, Monate später.
Bei meinen Erlebnis-Geh-Sprächen und nach Vorträgen passiert mir das immer wieder: Da meldet sich jemand nach langer Zeit und erzählt, was sich verändert hat. Oft ausgelöst von einem kleinen Impuls, an den ich mich selbst kaum erinnere. Und beim Kartenspiel schicken mir Menschen, die ich nie getroffen hab, Fotos von dem, was sie umgesetzt haben.
Dafür bin ich dankbar. Und ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz. Das ist der Spiritus in meinem Feuer.
"Ergebnisse kannst du planen. Auswirkungen musst du abwarten."
5. Das ICH-Konto
Und das fünfte Konto bist du selbst.
Nicht was du kannst, nicht wen du kennst – sondern in welchem Zustand du bist. Deine Energie. Dein Schlaf. Dein Kopf. Die Zeit, die du wirklich für dich hast und nicht nur zwischen zwei Terminen. Das hat aber nichts mit Ego zu tun.
Es ist auch das einzige Konto, das unbemerkt ins Minus laufen kann. Bei den anderen merkst du sofort, wenn nichts passiert. Bei diesem hier merkst du es erst, wenn schon länger nichts mehr passiert ist.
Und genau deshalb wird es von vielen zuletzt bedient. Dabei gehört es an den Anfang – oder zumindest immer mitgedacht.
Ohne Energie kein Können. Keine Beziehungen, keine Erlebnisse, keine Ergebnisse. Und ganz nebenbei: auch kein Geld. Das ICH-Konto ist die Voraussetzung für alle fünf anderen – auch für das eine, das deine Bank kennt.
"Das ICH-Konto ist kein Luxus. Es ist das Fundament. Und sollte im Plus bleiben."
Was du jetzt dafür brauchst
Ein weißes Blattl Papier. Einen Stift. Und einen ruhigen Moment für einen kurzen Blick zurück. Keine App, keine Vorlage. Sechs Überschriften, mehr braucht's nicht.
Ja, sechs – nimm das Konto deiner Bank ruhig dazu. Aber nicht als Kontostand. Sondern als Frage: Was hast du dir bis heute erarbeitet? Was ist es wert? Und um wie viel ist es heuer mehr geworden? Ein zurückgezahlter Kredit zum Beispiel steht nirgends als Zuwachs. Und ist trotzdem genau das.
Es dauert zwanzig Minuten. Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen.
Erstens: Drei oder vier dieser Konten sind bei den meisten voller, als sie glauben. Man schaut nur nie hin, weil es keinen Kontoauszug gibt, der einem das monatlich schickt.
Zweitens: Wenn eines auffällig leer ist, weißt du sofort, woran du im nächsten Jahr arbeiten willst. Das ist der eigentliche Wert der Übung – nicht die Bilanz, sondern was daraus für morgen folgt.
Am besten machst du es, wenn ohnehin ein Abschnitt endet. Ende des Monats, Ende des Jahres. Oder einfach bei einer Tasse Kaffee an einem Sonntagvormittag – dann, wenn du dir sowieso gerade Zeit fürs ICH-Konto nimmst.
Fünf dieser Konten kannst du nicht überweisen. Du kannst sie nicht vererben und nicht belehnen. Aber du kannst sie anschauen.
Und vielleicht stellst du dabei fest, dass du reicher bist, als deine Bank glaubt.
Und wenn du dann schon dabei bist, stell dir gleich zwei Fragen dazu: Wie soll diese Bilanz in einem Jahr ausschauen?
Und – viel wichtiger – wie soll sie ganz am Ende ausschauen? Wenn wir durch unser eigenes Museum gehen. Welche Konten zählen dann noch? Und ist die Bank da überhaupt noch dabei?
Viel Spaß beim Erstellen deiner eigenen Vermögensbilanz.
Und wenn dir beim Lesen jemand eingefallen ist, der so eine Bilanz gerade brauchen könnte – schick es weiter.
Thomas – der Bucketlist Schmied = )
PS: Übrigens – der Anstoß dazu kam nicht von mir. Einer meiner wertvollsten Mentoren hat mir die Frage gestellt, ob das Können nicht auch in meine Bilanz gehört. Alles Weitere hat sich dann ergeben - als logische Konsequenz, diese fünf Konten in deiner Vermögensbilanz, die deine Bank nicht kennt.
Danke, lieber August (als Mensch und jetzt gerade im Monat August) – so einen Menschen sollte übrigens jeder haben. Und mittlerweile darf ich das ab und zu für andere sein. Das erfüllt mich mehr, als ich vorher gedacht hätte. Und zahlt auf diese fünf Konten ein.
Wenn du magst, hier noch meine Gedanken dazu – aufgenommen, bevor dieser Beitrag entstanden ist.




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